...und noch etwas mehr
Manche Dinge werden einem einfach so hingeknallt und dann heißt es: Friss oder stirb... Wir haben uns einfach mal die Mühe gemacht, ein paar Dinge etwas näher zu beleuchten. Da immer wieder ein paar Gedanken dazu kommen und das es noch lange nicht fertig ist, werde ich den Sachstand mit Datum dokumentieren. Und jetzt viel Spaß bei unserer "Rocky Horror Text Show".Erstellt: 24.11.2025 Update: 12.12.25 / Unterricht / Praxis allgemein / Billiger / Transparenz (Komplett) Update: 19.12.25 / Transparenz /
Das Ministerium für Verkehr hat im Oktober die Ankündigung gemacht, den Führerschein billiger zu machen und dazu ein "Eckpunkte" Papier vorgelegt. Diese Eckpunkte umfassen ein paar Schlagworte, die von den Medien aufgegriffen, zerhackt, aus dem Kontext gerissen wurden, und nun in aller Munde sind.Mit Recht, muss ich sagen. Denn genau das passiert, wenn an die Öffentlichkeit gegangen wird, ohne vorher ein fertiges Konzept parat zu haben. Und als ich hörte, dass bis Mitte 2026 alles umgesetzt werden soll, musste ich schallend lachen. Ich habe in der oberen Leiste ein paar Tabs erstellt, die veranschaulichen, um welche Themen es sich nach der Ministerankündigung handelt. Zwar vorausgreifend, aber für mich sehr wichtig: Eine Umsetzung bis Mitte 2026 ist technisch / rechtlich vollkommen unmöglich. Seit 2019 wurde an einer Änderung der Ausbildung gefeilt, die OFSA2, die eigentlich schon fertig war und kurz vor der Veröffentlichung stand. Dieses System sollte ALLES ändern und besser machen. Wir Fahrlehrer hatten uns bereits darauf vorbereitet, als dann die Bundestagswahlen anstanden und NACH der Wahl alles auf Eis gelegt wurde. Schade eigentlich. 6 Jahre Arbeit, Kosten, Arbeitskreise, alles umsonst. Worauf ich hinaus will... Das OFSA 2 wäre eine gründlich ausgearbeitete Lösung auf Basis eines VERORDNUNGSGEBUNGSVERFAHREN gewesen, das sich innerhalb einiger Wochen / Monate hätte umsetzen lassen. Das was JETZT gerade passiert, ist ein GESETZESÄNDERUNGSVERFAHREN, was in der Regel 1-2 Jahre dauert, bis es umgesetzt wird. Ich muss Ihnen also leider sagen: 2026 wird sicher nichts umgesetzt.
Der Unterricht soll digitaler werden, die Fahrschüler sollen per App oder online lernen. Wegfallen soll er nicht. Theoretisch ein guter Gedanke, dem ich auch zu einem großen Teil zustimme, allerdings gibt es da so etwas ähnliches wie einen Haken. Es gibt leider keine anwendbare Option, Erfahrungen, Sozialverhalten, Verkehrsverhalten, Gefahrenlehre, Verkehrspsychologie, usw, in eine App oder ein online Lernportal zu quetschen. Dafür braucht es uns Fahrlehrer. Ich meine... wir alle wissen, wie effektiv das online Lernen zur Corona Zeit war? Eben. Reines Wissen kann gerne "wie auch immer" gelernt werden, aber es gibt noch immer ein paar Unterrichts Einheiten, bei denen Präsenzunterricht maßgeblich ist. Ach ja... es wurde ja gesagt, dass wir Fahrschulen den teuren Unterrichtsraum nicht mehr brauchen.Es wurde dabei nur leider nicht dazu gesagt, dass das alles vorerst NUR FÜR KLASSE B gilt! Es wird allerdings geprüft, ob die Maßnahmen auf andere Klassen anwendbar sind. Abgesehen davon, haben manche Fahrschulen auch noch andere "Unterrichte", bei denen ein Raum zwingend erforderlich ist, wie zum Beispiel: Aufbauseminare für Fahranfänger, Fahreignungsseminare zum Punkteabbau, Berufskraftfahrer Weiterbildungen... Der Unterrichtsraum wird dann wohl erhalten bleiben.
Tja, auch da wurden ein paar Aussagen weggelassen.Grundlegend muss ich sagen, ja, so ein Simulator macht dem Fahrschüler und dem Fahrlehrer den Einstieg ins Auto wesentlich einfacher.Ich kann das sagen, da ich selbst einen Simulator in der Fahrschule habe. Dieser hat 6 Lektionen von Anfahren und Schalten, über Kurvenfahren, bis zur kompletten Vorfahrt. Danach steigt der Fahrschüler ins Auto und kommt halbwegs klar. Aber der Fahrschüler sitzt mit Sicherheit nicht alleine am Simulator. Auch da macht der Fahrschüler Fehler, die der Simulator NICHT bemerkt, wie zum Beispiel mit dem linken Fuß bremsen, oder falsch lenken, oder oder oder. Es sitzt also ein Fahrlehrer daneben. Und wenn man bedenkt, dass ein guter Simulator, der für das was das Ministerium vor hat, notwendig ist, zwischen 30.000 - 40.000 Euro kostet, dann wird die Simulator Fahrt NICHT billiger. Aber was das Ministerium auch noch möchte, ist interessant. Es soll wohl möglich sein, die sogenannte Schaltkompetenz oder auch die Sonderfahrten auf dem Simulator zu machen? DAS ist heftig!!!Für den Einstieg ins Auto ja, aber Autobahn, Landstraße und Nachtfahrt auf dem Simulator?? Es fällt den Fahrschülern schon nicht leicht, die Geschwindigkeit auf Autobahn und Landstraße richtig einzuschätzen, und dann soll das im Simulator gemacht werden? Genauso die Nachtfahrten. Nicht selten habe ich Fahrschüler, die plötzlich bemerken, dass Sie eine Nachtschwäche haben. Das merkt man auf dem Simulator eher nicht. Eieiei... das wird übel.
Ja... Ja, ich weiß, das hat er gesagt. Die sauteueren Sonderfahrten fallen weg.Aber ich sags ganz ehrlich... DAS IST MIR EGAL. Das ist ein Ding, das kann gerne gemacht werden. Bei vielen, wenn nicht sogar den Meisten Fahrschulen, sind die Sonderfahrten etwas teurer als die normalen Übungsstunden. Dann kostet der Führerschein schon mal mindestens 120,- Euro weniger. Bei mir übrigens nicht, da bei mir alle Stunden, also Übungsstunden und Sonderfahrten das Gleiche kosten.Aber ich muss dazu sagen, es ist nicht verkehrt, wenn die PFLICHT dieser Sonderfahrten fällt. Man hat durchaus unterschiedliche Fahrschüler mit unterschiedlichen Talenten, die mehr Sonderfahrten benötigen würden, aber auch weniger. Von daher... nur zu, weg damit. Allerdings gibt es Prüforte, bei denen es wirklich schwierig ist, bei der Prüfung zum Beispiel auf die Autobahn zu kommen, wie auch in Weilheim. Naja, also GANZ abschaffen sollte man die Sonderfahrten nicht. Weil.. was nicht geprüft wird, wird auch nicht ausgebildet.
Der Herr Minister hat ganz deutlich gesagt, die Prüfungen werden an den Europaweiten Standard angepasst und von 55 auf 25 Minuten gekürzt. Auch hier kann ich Sie beruhigen, wir sind bereits bei 30 Minuten Fahrzeit. Und somit nur 5 Minuten höher als der Europaweite Schnitt. Die restliche Zeit wurde von den Prüforganisationen bestimmt. Und da gibt es ein paar Punkte, die mitspielen:
Nach der neuen Berechnung wird es in Etwa:
Ja, so könnte es aussehen. Viel besser wird es nicht werden. Und mal ganz ehrlich. Mit 25 Minuten Prüfzeit... da kann sich doch keiner ein Bild davon machen, ob jemand für den Verkehr geeignet ist oder nicht.Aber für uns Fahrschulen ist es ganz cool, wenn die Prüfzeit etwas kürzer wird. Dann können wir pro Prüftag nicht mehr nur 9 Teilnehmer, sondern 11 Teilnehmer zur Prüfung bringen.
Alles in Allem sollen die angekündigten Änderungen eine spürbare finanzielle Entlastung der Fahrschüler bringen.Joa... vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich bin bei dem Ganzen ein Bisschen zwiegespalten. Alle Maßnahmen in Ehren, aber das ist nicht immer der richtige Ansatz. Als ich meinen Führerschein 1989 gemacht habe, habe ich meinen Vater, der auch mein Fahrlehrer war, gefragt, wie viele Fahrstunden man denn so braucht. Seine Antwort war: So alt wie man ist, so viele Fahrstunden werden benötigt. Also in etwa 18 - 25 Fahrstunden. Aktuell liegt der Schnitt inklusive der Sonderfahrten bei ca 40 Fahrstunden. Und jetzt fragen Sie doch bitte noch einmal, warum der Führerschein so teuer ist? Wenn man 15 Fahrstunden abzieht, dann ist das genau die Verteuerung zu damals. Das, was fehlt, ist das technische Verständnis, die Aufmerksamkeitsspanne, das Interesse am Verkehr. Viel wichtiger sind für die Jugend mittlerweile Dinge, wie: Smartphone, digitale Welt, Social Media, Stöpsel im Ohr, um sich der Welt zu verschließen. Und ich möchte dabei deutlich betonen, dass es nicht grundsätzlich an den Fahrschulen liegt, dass es so teuer ist. Es liegt auch zu einem großen Teil an den immer strenger werdenden Richtlinien, denen wir Fahrschulen uns fügen müssen. Einerseits vom Staat, andererseits von den Prüforganisationen. Es kommen immer neue Regeln raus, wie zum Beispiel, die Sache mit dem B197 Führerschein. Wir Fahrschulen müssen nun für 2 Fahrlehrer mindestens 3 Fahrzeuge bereitstellen. Oder die Sache mit den von der EU beschlossenen "Fahrhilfen", die auch mittlerweile in der Prüfung verlangt werden. Wir Fahrschulen müssen dem Prüfer für JEDES AUTO, eine Liste mit den verbauten Fahrhilfen bereitlegen, der Prüfer sucht sich dann etwas aus und das wird geprüft. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich mir ein altes Auto aus den 90er Jahren hole würde. Das hat keine Fahrhilfen!!! Nix verbaut, nix geprüft. Punkt. Aber zurück zum Thema. Mein Wunsch wäre, bei den "Kindern selbst" anzusetzen. Und da kommen Sie als Eltern ins Spielt. Ja, es wäre wirklich verdammt wichtig, den Kindern ordentlich Anstand, Respekt und Toleranz und DIE RICHTIGEN REGELN im Straßenverkehr VORZULEBEN. Dann wird es billiger. Von der technischen Komponente her, können wir Fahrschulen es definitiv NICHT billiger machen. Das ist nun mal so, das kann man drehen und wenden wie man will, da ändert sich nichts. Die Autos werden teurer, der Kraftstoff wird teurer, die Versicherungen steigen jährlich, die Wartungskosten der Autos sind immens, die Fahrlehrer würden auch gerne ein Wenig Geld verdienen. Deren Ausbildung ist übrigens auch kein Späßchen, der Fahrlehrerschein Klasse B kostet aktuell, 2025, etwa 17.000,- bis 20.000,- Euro, die Ausbildung dauert in der Regel mindestens 1 Jahr und umfasst umfangreiches Wissen in den Bereichen StVO, Verkehrsrecht, Verkehrspädagogik, KFZ-Technik und Psychologie. Die Zeiten, als ein rauchender, ständig meckernder Macho mit aufgeknöpftem Hemd und Goldkettchen neben dem Fahrschüler saß, sind vorbei.
Wer es noch nicht weiß... in Österreich fährt man mit den Eltern Fahrstunden. Naja, es ist etwas komplizierter als hier geschrieben, aber so ähnlich läuft es. In Österreich kann man mit 16 Jahren mit der Ausbildung beginnen. Man muss dabei eine theoretische und praktische Grundausbildung in einer Fahrschule absolvieren, bestehen aus 32 Theorie Einheiten und 12 Praxis Einheiten. Danach folgt die theoretische Prüfung und die Ausbildung mit einer Begleitperson, mit der dann mindestens 3000 km Fahrpraxis mit Fahrtenbuch nachgewiesen werden müssen. Alle 1000km muss eine Schulung in der Fahrschule stattfinden. Nach 3000km folgt in der Fahrschule das Perfektionstraining, bestehend aus mindestens 6 Stunden Theorie und 3 Stunden Praxis. Ab dem 17. Geburtstag kann man dann die Prüfung machen. Nachdem man den Führerschein erhalten hat, startet die 2. Ausbildungsphase: Diese besteht aus einem Fahrsicherheitstraining mit einem verkehrspsychologischen Gruppengespräch (3-9 Monate nach Erhalt des Führerscheins). Außerdem ist eine Perfektionsfahrt in einer Fahrschule (6-12 Monate nach Erhalt) vorgesehen. SO IST DAS IN ÖSTERREICH. Die Planung bei uns in Deutschland wird anders aussehen. Ich hoffe mal, sowas kommt nicht bei uns. Es wird da wirklich etwas schwierig, das von den Begleitpersonen Erlernte, wieder gerade zu biegen. 😉
Es soll künftig möglich sein, online die Kosten und Durchfallquoten aller Fahrschulen einzusehen und damit einen realistischen Kosten- und Qualitätsvergleich durchzuführen. Das ist der Text von Hr. Schnieder. Ich persönlich finde das sehr lustig, da wir schon seit Jahrzehnten eine sogenannte "Preiswahrheit und Preisklarheit" haben, an die wir uns halten müssen. Das ist ein Gesetz. Wir müssen die Preise offenlegen und für jedermann zugänglich aushängen. Soviel zu den Kosten. Das haben wir schon. Die Durchfallquoten... DAS ist absolut unfair!!! Und dabei schreibe ich im Namen aller Fahrschulen in Deutschland. Ich fange gleich mal "Hardcore" an:Es gibt sogenannte Ballungsgebiete, in denen es ein sprachliches Problem gibt. Man kann zwar die theoretische Prüfung in 12 Sprachen machen, allerdings ist die praktische Prüfung in der Regel auf deutsch. Und da haben wir leider das Problem.Natürlich gibt es einige Fahrlehrer, die mehrsprachig sind, aber das sind vergleichsweise wenige. Wenn nun ein Fahrschüler, der nicht deutsch spricht, sich eine Fahrschule aussucht, die eben NICHT seine Sprache spricht, dann wird es für ihn und für den Fahrlehrer sehr schwierig. Wenn es dann doch nach sehr vielen Fahrstunden endlich zur Prüfung geht, dann ist ein Durchfallen eher öfter die Realität. Die vielen Fahrstunden liegen dann übrigens in der Regel an Verständigungsproblemen, da der Fahrlehrer dem Schüler ja auch noch die Sprache beibringen muss.Die Durchfallquote in Ballungsgebieten ins um ein vielfaches höher als in ländlichen Gebieten. Das ist Fakt. Es wird also darauf hinauslaufen, dass sich die Fahrschulen die Fahrschüler aussuchen werden und "schwierigere" Fahrschüler abgewiesen werden, damit die Quote nicht leiden muss. Schwieriges Thema... Allerdings muss man dazu sagen, dass diese Thematik der Transparenz auch einen positiven Effekt haben könnte, wenn "eher schlecht ausbildenden Fahrschulen", die Fahrschüler zu früh zur Prüfung vorstellen um das doppelte Prüfgeld zu kassieren, ein Riegel vorgeschoben wird.